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Interview mit dem neuen DRK-Präsidenten Rudolf Seiters |
"Ich will den Gedanken des Ehrenamtes stärken"Der neue
DRK-Präsident Rudolf Seiters über humanitäre Standards und wirtschaftliche Zwänge
eines Wohlfahrtsverbandes
Berlin - Vor knapp einer
Woche wurde der frühere Bundesinnenminister und ehemalige Vizepräsident des Deutsche
Bundestages, Rudolf Seiters (CDU), für drei Jahre zum Präsidenten des Deutschen
Roten Kreuzes (DRK) gewählt. Mit seinen 4,6 Millionen Mitgliedern ist das DRK
einer der weltweit größten Wohlfahrtsverbände. Trotzdem muss es um seine Stellung
kämpfen. Die Konkurrenz auf dem lukrativen Markt der sozialen Dienstleistung wird
immer größer. Die
Welt: Herr Seiters, was nehmen Sie sich als neuer Präsident
vor? Rudolf
Seiters: Ich sehe meine Aufgabe darin, für eine weiterhin großzügige
Spendenbereitschaft der Bevölkerung zu werben. Auf Veranstaltungen will ich die
Zuhörer für die humanitären Anliegen des DRK gewinnen und den Gedanken des Ehrenamtes
stärken. Schließlich lebt das DRK von seinen 300.000 ehrenamtlichen Helfern. Außerdem
geht es mir darum, die Geschäftsfelder des DRK qualitativ und wirtschaftlich zu
stärken. Ich werde viel unterwegs sein, die Landesverbände besuchen, auch internationale
Termine wahrnehmen. Welt: Das heißt, Sie sind PR-Mann, Politiker und Manager
in einer Person? Seiters: So könnte man sagen. Aber aus meiner 33-jährigen parlamentarischen
Tätigkeit sind mir diese Anforderungen nicht fremd. Welt: Wohlfahrtsverbände beklagen ein Nachlassen der Spendenbereitschaft.
Gleichzeitig verzeichnete das DRK bei der Flutkatastrophe im vergangenen Sommer
mit insgesamt 147 Millionen Euro den höchsten Spendeneingang seiner Geschichte.
Seiters: Dieses Vertrauen in unsere Organisation ist wirklich
beeindruckend: vor allem, wenn man weiß, dass diese Summe von 1,3 Millionen Einzelspendern
stammt. Auf diese breite Unterstützung wollen wir weiter setzen. 2003 wird, da
es ja keine Flutkatastrophe und keine größeren Erdbeben gegeben hat, allerdings
ein eher "normales" Spendenjahr sein. Welt:
Diese Spendenbereitschaft wurde immer wieder durch Unregelmäßigkeiten
beim DRK auf die Probe gestellt. Wie wollen Sie das künftig verhindern? Seiters: Bei einem Verband mit 4,6 Millionen Mitgliedern, 5600
Ortsvereinen und einer großen Selbstständigkeit der einzelnen Strukturen kann
es vereinzelt zu Unregelmäßigkeiten kommen, obwohl es dazu natürlich nicht kommen
darf. Wichtig ist, dass das DRK ganz konsequent absolute Offenheit und glaubwürdige
Transparenz beweist. Dafür werde ich eintreten. Welt:
Das DRK finanziert sich hauptsächlich durch die Entgelte
der Sozialhilfeträger und der Kranken- und Pflegekassen sowie durch öffentliche
Zuschüsse. Doch die Geldbeutel werden immer leerer, Verbänden in Berlin und Bayern
droht die Insolvenz. Wie wollen Sie diese Probleme lösen? Seiters: Die Situation ist tatsächlich schwierig: Der Bedarf
an sozialen Dienstleistungen steigt, gleichzeitig nehmen die Kosten zu. Es werden
Qualitätsstandards angehoben, das ist ein Problem für die ehrenamtliche Pflege.
Jetzt kommt noch die Gesundheitsreform, die Auswirkungen haben wird auf die häusliche
Krankenpflege. Das alles zwingt uns dazu, unsere Finanzen so zu ordnen, dass wir
mit den vorhandenen Geldern so effektiv wie möglich haushalten. Wichtig ist dabei:
Wir müssen solide finanzierte Einrichtungen unterhalten und gleichzeitig die humanitären
und ethischen Standards wahren Welt: Der Markt der sozialen Dienstleistung ist hart umkämpft,
die private Konkurrenz nimmt zu. Inwieweit werden Sie Strukturen ändern oder Geschäftsfelder
abstoßen? Seiters: Eine ganze Reihe von Strukturmaßnahmen haben bereits
begonnen, zum Beispiel das Straffen der Führungsebene beim Umzug nach Berlin.
Außerdem hat das DRK einzelne Felder ausgelagert, zum Beispiel den Blutspendedienst
oder einzelne Kreisverbände den Rettungsdienst und ambulante Pflegedienste. Von
daher glaube ich nicht, dass größere strukturelle Änderungen notwendig sein werden.
Wir werden auch unsere Geschäftsfelder behalten, aber um die Dienste professionell
anbieten zu können, müssen wir ständig in qualifiziertes Personal investieren
Rudolf
Seiters steht als neuer Präsident an der Spitze des Deutschen Roten Kreuzes
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